Von feministischem Streik und sozialer Solidarität

Am 14. Juni 2026 fand in Bern ein grosser feministischer Streik statt. Dieses Jahr zeigte sich, dass die feministische Bewegung auch ein Raum für transnationale Solidarität und soziale Kämpfe ist.

Am 14. Juni 2026 fand in der Stadt Bern ein breit angelegter, dezentral organisierter feministischer Streik statt, an dem Tausende Menschen im Rahmen von über 100 Aktionen teilnahmen.

Die Mobilisierung erstreckte sich von Freitag bis Sonntag und verstand sich als deutliches Zeichen gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung, Gewalt sowie strukturelle soziale Ungleichheiten.

Die diesjährige Ausgabe zeichnete sich besonders durch ihren dezentralen Charakter aus. In verschiedenen Stadtteilen entstanden eigenständige Aktionen: In Bern West fanden abendliche Kultur- und Musikveranstaltungen statt, während in Bümpliz ein Kleideraustausch organisiert wurde – mit Fokus auf Solidarität, Nachhaltigkeit und Ressourcenteilung.

Im Tscharnergut kam es zu einer organisierten Versammlung, von wo aus sich die Teilnehmenden in einer gemeinsamen Demonstration Richtung Bundesplatz (Bundeshaus) bewegten. Dabei wurden zahlreiche Slogans getragen, darunter: «Gerechte Einbürgerung für alle».

Der Bundesplatz selbst entwickelte sich im Verlauf des Tages zu einem zentralen politischen Raum, der sich bis in die Nacht hinein füllte. Musik, Reden, künstlerische Beiträge und politische Diskussionen prägten das Geschehen. Laut den Organisierenden spiegelt diese Dynamik die wachsende Reichweite der feministischen Bewegung in Bern wider sowie ihre zunehmende Verbindung zu Fragen sozialer Gerechtigkeit und politischer Teilhabe.

Ein Schwerpunkt der Redebeiträge lag auf der Frage von Staatsbürgerschaft und demokratischer Teilhabe. Larissa, Vertreterin der Demokratie-Initiative Vierviertel, forderte in ihrer Rede eine Reform des Einbürgerungssystems in der Schweiz. Dieses müsse gerechter und inklusiver gestaltet werden, um der Realität einer vielfältigen Gesellschaft gerecht zu werden. Sie betonte dabei den engen Zusammenhang zwischen Staatsbürgerschaft und politischer Mitbestimmung und stellte klar, dass Ausschluss von Einbürgerung auch Ausschluss von Demokratie bedeutet.

Weitere Beiträge auf der Bühne beleuchteten die Situation von Frauen in unterschiedlichen globalen Kontexten: darunter afghanische Frauen, die von Unterdrückung betroffen sind, iranische Frauen unter politischen Repressionen sowie kurdische Frauen, die in mehreren Ländern, insbesondere in der Türkei, Diskriminierung erfahren. Ergänzt wurden diese Perspektiven durch migrantische Stimmen, vertreten durch verschiedene Organisationen und Kollektive, die auf die Überschneidung von Migration, Geschlecht und sozialer Gerechtigkeit aufmerksam machten.

Die Reden machten deutlich, dass der feministische Streik in Bern längst über lokale Anliegen hinausgewachsen ist und sich zu einem transnationalen Raum der Solidarität entwickelt hat, in dem feministische, soziale und menschenrechtliche Kämpfe miteinander verbunden werden.

Zum Abschluss betonte die Bewegung, dass der Kampf nicht beendet sei. Insbesondere unbezahlte Care-Arbeit bleibe ein zentrales Anliegen, da sie die Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens bilde, jedoch weiterhin ungleich verteilt und unzureichend anerkannt sei.

Abschliessend kündigten die Organisierenden an, die Mobilisierung fortzusetzen und riefen bereits zum Care-Streik am 14. Juni 2027 auf, um die Bedeutung unbezahlter Arbeit sichtbar zu machen.

Redaktion und Bericht: Zahor Alassadi

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Über Zahraa Alassadi

Zahraa Al-Assadi ist Redakteurin bei Lucify.ch. Sie wurde im Libanon (Baalbek) geboren, hat irakische Wurzeln und wuchs künstlerisch und intellektuell in Damaskus auf. Sie ist aktiv in kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen: Moderation, Unterstützung kleiner Projekte, Frauenaktivismus sowie Engagement in Vereinen und Gewerkschaften. Zudem verfügt sie über umfangreiche journalistische Erfahrung und hat Interviews und Beiträge zu Kunst und Kultur veröffentlicht. Ihr Leitprinzip lautet: „Wahre Freiheit beginnt mit geistiger und materieller Unabhängigkeit.“

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