Menschen hinter der Sprache

Sprache und Arbeit – etwas was unsere Identität als Menschen bestimmt. Wie wichtig sind diese für die Integration hier in der Schweiz? In den folgenden zwei Interviews berichten zwei Personen mit hohem Bildungsniveau, die in die Schweiz eingewandert sind, von ihrem Weg durch Sprache und Arbeit in der Schweiz.


Biljana kommt aus Mazedonien. Der Anfang in der Schweiz war für sie nicht einfach. Es war schwierig, neue Menschen kennenzulernen, und die Sprache stellte für sie eine grosse Herausforderung dar.

Kannst du kurz von deiner Arbeit erzählen?

Ich habe viele Jahre in einem Kurhaus gearbeitet. Dort habe ich immer Hochdeutsch gesprochen und nicht Schweizerdeutsch.

Wie haben die Bewohner*innen darauf reagiert?

Viele Bewohner*innen fragten mich oft: „Woher kommst du?“ Am Anfang antwortete ich mit dem Dorf in dem ich wohnte. Aber eigentlich wollten sie wissen, aus welchem Land ich komme.

Wie hast du dich in solchen Situationen gefühlt?

Manchmal war es schwierig, weil diese Fragen oft mehrmals am Tag kamen. Ich musste arbeiten und hatte nicht immer Zeit, darüber zu sprechen.

Was hast du dann geantwortet?

Manchmal sagte ich: „Ich muss jetzt arbeiten, wir müssen darüber nicht sprechen.“ Oder: „Jetzt geht es nicht darum, ich muss Ihnen die Creme auftragen und die Pflege machen.“

Hast du trotzdem weiter Hochdeutsch gesprochen?

Ja. Zehn Jahre lang habe ich weiterhin auf meine Weise Deutsch gesprochen. Ich wollte mich nicht verändern.

Wie reagierte dein Vorgesetzte darauf?

Meine Chefin fand das positiv. Sie sagte, dass sie es schön findet, dass ich immer bei mir selbst geblieben bin.

Was bedeutet Sprache für dich persönlich?

Ich muss nicht anders sein. So zu sprechen fühlt sich für mich richtig an und ich kann dabei ich selbst bleiben. Ich bin deswegen nicht weniger gute Arbeiterin und das soll man, meiner Meinung nach, in Vordergrund stellen. Und nicht der Dialekt, die Hautfarbe oder den Kopftuch den man bei der Arbeit trägt.


Auch das zweite Interview zeigt, wie schwierig Sprache und Integration am Anfang sein können. Hasan hatte nach seiner Ankunft in der Schweiz ebenfalls grosse Probleme mit der Sprache. Deshalb entschied er sich zuerst, in der Gastronomie zu arbeiten. Sein erstes Ziel war es, sein Deutsch zu verbessern und gleichzeitig Geld zu verdienen.


Kannst du dich kurz vorstellen?

Ich heisse Hasan, bin 39 Jahre alt, verheiratet und habe einen Sohn und eine Tochter. Ich wurde in der Türkei geboren und habe Physik Lehrer studiert. Danach arbeitete ich im Staatsdienst.

Warum bist du in die Schweiz gekommen?

Im Jahr 2016 wurde ich in der Türkei, obwohl ich keine politische Meinung oder Verbindung hatte, wie hunderttausende andere Menschen als politischer Straftäter beschuldigt. Ich war 20 Monate im Gefängnis. Danach hätte ich noch zweieinhalb Jahre im Gefängnis bleiben müssen. Um meine Familie zu schützen und unsere Einheit zu bewahren, habe ich mein Land verlassen. 2021 bin ich in die Schweiz gekommen.

Was hast du gemacht, um dich in der Schweiz zu integrieren?

Am Anfang war für mich das Wichtigste, Deutsch zu lernen. Ich besuchte einen Deutschkurs bis zum Niveau A2. Aber nur Deutsch zu lernen war für mich etwas langweilig. Deshalb entschied ich mich, im Gastronomiebereich zu arbeiten, weil ich dachte, dass mir diese Arbeit Spass machen würde.
Dort konnte ich Deutsch üben und gleichzeitig mein eigenes Geld verdienen. Das machte mich glücklich. Ich lernte die Arbeit schnell und arbeitete gerne dort. Allerdings musste ich oft abends und an Wochenenden arbeiten.
Darum begann ich später einen SRK-Kurs und arbeitete danach als Pflegehelfer. Bis Ende Juni werde ich noch in diesem Bereich arbeiten.

Wie waren deine ersten Erfahrungen im Altersheim?

Als ich im Altersheim angefangen habe zu arbeiten, war die Kommunikation manchmal schwierig. Viele Bewohner*innen wollten lieber Schweizerdeutsch sprechen. Deshalb musste ich oft die Fachpersonen um Hilfe bitten. Viele Bewohner*innen, fragten mich auch oft ob ich ein Albaner sei. Ich antwortete dann, dass ich Türke bin.
Mit der Zeit wurde es aber besser. Als wir angefangen haben, miteinander Hochdeutsch zu sprechen, entwickelte sich eine sehr gute Beziehung zwischen uns. Einige von ihnen fragten sogar: „Wo ist Hasan? Kann Hasan kommen?“ Dann ging ich gerne zu ihnen und half ihnen weiter.

Welche Pläne hast du für deine Zukunft?

Ich liebe meine Arbeit im Altersheim. Trotzdem werde ich nicht hier lange bleiben. Ich habe Physik studiert und ich bin sehr gut mit Zahlen. Ich möchte einen Beruf finden, der wirklich zu mir passt. Deshalb machte ich verschiedene Schnupperlehren.
Am Ende entschied ich mich für eine Ausbildung als Elektroinstallateur EFZ. Ich informierte mich über verschiedene Elektrounternehmen in unserem Kanton Nidwalden und bewarb mich bei einer Firma, die gut zu mir passte. Schliesslich bekam ich die Möglichkeit, dort die Lehre zu machen.
Jetzt bin ich glücklich! Ich habe endlich einen Weg gefunden, der meinen Interessen entspricht. Ich freue mich schon sehr auf meine Ausbildung, die bald beginnt.

Beide Interviews zeigen, dass Sprache eine grosse Herausforderung ist. Sowohl Biljana als auch Hasan mussten zuerst lernen, mit Schweizerdeutsch umzugehen, obwohl sie hauptsächlich Hochdeutsch gelernt und gesprochen haben.

Trotzdem haben beide ihren Weg mit Geduld und Ausdauer weitergeführt. Wenn man nicht aufgibt, kann man seinen eigenen Platz finden und Schritt für Schritt ein neues Leben aufbauen. Mit der Zeit wurden beide, Biljana und Hasan, in ihrem Umfeld akzeptiert und haben gute Beziehungen zu anderen Menschen aufgebaut.

Interviews von Esra Ayisik

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