Klimagerechtigkeit statt Chaos

Am 22. Mai demonstrierten in Bern rund 5.000 Menschen gegen die sogenannte „Chaos-Initiative”. Wir waren vor Ort und haben die menschenfreundliche Atmosphäre eingefangen. Die Teilnehmenden forderten Solidarität statt Ausbeutung.

Organisiert wurde die Demonstration vom Klimastreik und von vielen Berner Organisationen unterstützt, darunter das feministische Streikkollektiv.

Die von der SVP „10-Milionen Schweiz-Initiative“ stand im Zentrum der Kritik. In Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass die SVP die Verantwortung für überlastete Infrastrukturen, Wohnungsnot oder die Klimakrise bei Migrant*innen sucht, während sie gleichzeitig Kürzungen im öffentlichen Verkehr, im Sozialbereich und beim Klimaschutz unterstützt.

Auch der Bezeichnung der Initiative als «Nachhaltigkeitsinitiative» wurde stark kritisiert. Während sie den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen verspricht, fordert die SVP den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, befürwortet neue Autobahnen und hält an fossilen Energien fest. An der Demonstration wurde betont, dass nachhaltige Politik wirksame Massnahmen gegen die Klimakrise braucht – etwa die Senkung der CO₂-Emissionen und den Ausbau des Klimaschutzes.

Kritisiert wurde zudem, dass die Initiative Menschen ohne CH-Pass zusätzlich unter Druck setzen und prekäre Lebenssituationen verschärfen würde. Mehrere Redner*innen erinnerten daran, dass die Klimakrise bereits heute Millionen Menschen weltweit zur Migration zwingt.

Die Stimmung war solidarisch. Viele junge Menschen und Kinder nahmen an der Demonstration teil und stimmten gemeinsam «Siamo tutti antifascisti» an. Ein farbiger Strom von Menschen zog durch die Berner Innenstadt und belebte die Strassen mit Transparenten, Musik und Gesprächen.

Lucify.ch hat die Demonstration begleitet und dokumentiert. Im folgenden Video spricht Lirija Sejdi vom feministischen Streikkollektiv Bern über die Verbindung von Klimagerechtigkeit, Feminismus und Solidarität.

Im zweiten Video spricht Simon Noori von Solidarité sans Frontières über Migration, globale Verantwortung und die Folgen einer Politik der Abschottung.

Die Demonstration brachte Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zusammen. Die Redebeiträge zeigten, wie eng viele Fragen von Klima, Migration und gesellschaftlicher Teilhabe miteinander verknüpfen sind.

Avatar-Foto

Über Perla Ciommi

Ich bin Film- und Kulturwissenschaftlerin, Journalistin sowie Medienmacherin. Seit vielen Jahren arbeite ich an der Schnittstelle von Dokumentarfilm, Journalismus und partizipativen Medienprojekten. Meine Arbeit mit den Medien begann 2000 in Bologna und führte mich 2005 nach Paris sowie 2009 in die Schweiz.

Alle Beiträge anzeigen von Perla Ciommi

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.