Im Rahmen der Woche gegen Rassismus trafen wir Marat Hubanov, der uns von unsichtbaren Barrieren bei der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an Freizeitaktivitäten berichtete. Unser Gespräch brachte viele weitere Aspekte der Mitwirkung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ans Licht.
Marat Hubanov ist ein Ukrainer mit drei Hochschulabschlüssen, Coach und Psychologe mit Erfahrung in Organisationen für Menschen mit Behinderungen. Anstatt die Schweizer Gesellschaft um Unterstützung zu bitten, beschloss er, die Initiative selbst zu ergreifen, und entwickelte ein innovatives Integrationsangebot für Menschen verschiedener Generationen mit und ohne Behinderung.
Marat Hubanov ist Gründer und Präsident der Vereinigung «Swiss Assistent», die Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Integration von Menschen mit und ohne Behinderungen in der Schweiz anbietet. Der Verein bietet praxisnahe Programme, Veranstaltungen und Projekte zur Förderung von Teilhabe und Arbeitsintegration. Im Jahr 2025 wurde «Swiss Assistent» mit dem Berner «Samariterpreis» ausgezeichnet.

Bild: Swissassistent, 2024-2026.
Reduktion von Einsamkeit und sozialer Isolation
Obwohl die Schweizer Gesellschaft zahlreiche konkrete Hilfsmittel bereitstellt, um Menschen mit besonderen Bedürfnissen den Zugang zu verschiedenen sozialen und kulturellen Aktivitäten zu erleichtern, bleibt soziale Isolation etwas Immaterielles, aber sehr Spürbares.
Marat ist überzeugt, dass regelmässige Begegnungen stabile soziale Verbindungen und ein Gefühl der Zugehörigkeit schaffen. Die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv «WE stand UP!» von Lucify.ch in diesem Frühling eröffnete neue Wege für einen authentischen kulturellen Austausch sowie für sprachliche und soziale Integration.

Bild: Lucify.ch, 2026.
Gemeinsam entdeckten wir das enorme Potenzial des Humors, um Ängste, schmerzhafte Erfahrungen und Frustrationen zu verbalisieren und Traumata zu verarbeiten.
Diese Zusammenarbeit wird fortgesetzt: Gemeinsame Stand-up-Workshops und Aufführungen auf Deutsch und Englisch sind im Mai und in den Sommermonaten geplant.

Bild: Lucify.ch, 2026.
Lebensqualität und emotionale Stabilität
«Swiss Assistent» bietet Aktivitäten wie Yoga- und Theaterkurse an, die den Teilnehmenden ermöglichen, ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln und gleichzeitig ihr individuelles Potenzial zu entfalten.
Als Psychologe ist Marat überzeugt, dass Humor, Kunst und gemeinsame Aktivitäten Stress reduzieren und das psychische Wohlbefinden stärken.
Ein besonderes Element ist das «Buddy-System», bei dem Jung und Alt gemeinsam aktiv sind. Die Stärkung des generationenübergreifenden Dialogs ist eines der Hauptziele des Vereins. Dieses Modell könnte noch grössere Wirkung entfalten, wenn sich mehr Schweizerinnen – und nicht nur Migrantinnen – dafür interessieren und aktiv teilnehmen würden.
«Swiss Assistent» ist zudem offen für weitere Formen der Zusammenarbeit – auch mit lokalen Schweizer Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen.
Stärkung kognitiver und sozialer Kompetenzen
Durch Spiele, Dialogformate und kreative Aktivitäten entwickeln die Teilnehmenden Konzentration, analytisches Denken und Entscheidungsfähigkeit. Marat nutzt gezielt psychologische Brettspiele, die es ermöglichen, schwierige Lebenssituationen im geschützten Rahmen zu erleben und Lösungsansätze zu diskutieren.
Ein Beispiel ist das «Dungeons & Dragons» (D&D)-Programm von «Swiss Assistent». Es ist weit mehr als ein Spiel – es dient als strukturiertes Instrument zur Förderung sozialer, kommunikativer und kognitiver Kompetenzen. Das Programm ist besonders bei jungen Menschen beliebt, bietet jedoch auch für andere Generationen wertvolle Möglichkeiten.
Durch modellierte Spielsituationen werden die Teilnehmenden aktiv in Prozesse eingebunden, die Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und lösungsorientiertes Denken fördern.
Integration durch echte Begegnung
Unsere Reportagereihe «Unsichtbare Barrieren für die Teilhabe in der Freizeit» hat gezeigt, dass Interaktionen zwischen Einheimischen und Migrant*innen zwar häufig stattfinden, jedoch oft oberflächlich bleiben. Echtes Interesse, Empathie und authentischer Austausch werden dabei nicht immer erreicht.
Marat Hubanov teilt diese Einschätzung und setzt sich für ein inklusives Angebot ein, bei dem gegenseitiges Interesse und Respekt wichtiger sind als Herkunft, Sprachkenntnisse oder Aussehen.
Menschen mit und ohne Behinderung begegnen sich auf Augenhöhe – das baut Barrieren ab und fördert nachhaltige Integration.
Aktiv sein statt Abhängigkeit
In seinem Stand-up-Stück, das er im Rahmen der Woche gegen Rassismus präsentierte, schilderte Marat eine Situation, in der ihm als Mensch mit Behinderung wiederholt Hilfe angeboten wurde, obwohl er diese nicht benötigte.
So amüsant die Situation war, verdeutlicht sie eine wichtige Realität: Menschen mit Behinderungen benötigen keine bevormundende Hilfe, sondern Empowerment, um selbstständig und selbstbestimmt leben zu können.
Durch «Swiss Assistent» werden Teilnehmende dazu ermutigt, aktiv zu werden, Verantwortung zu übernehmen und eigene Wege zu gehen. Dies betrifft nicht nur Menschen mit besonderen Bedürfnissen, sondern auch ältere Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft.
Der Verein schafft Räume, in denen Menschen mit und ohne Behinderung sowie unterschiedliche Generationen einander begegnen, voneinander lernen und gemeinsam aktiv werden. Marat erwähnt beispielsweise eine Werkstatt, die ältere Menschen im Umgang mit digitalen Medien und KI unterstützt.

Bild: Swissassistent, 2024-2026.
Konfliktfähigkeit und Selbstwirksamkeit
Emotionale Intelligenz spielt eine zentrale Rolle bei kultureller Integration, persönlicher Entwicklung und Lebensqualität.
Durch Gruppenaktivitäten und Spiele trainiert Marat mit Menschen unterschiedlicher Herkunft den konstruktiven Umgang mit Konflikten, fördert Verhandlungskompetenzen und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Die Entwicklung von Soft Skills (Kommunikation, Leadership, Entscheidungsfähigkeit) ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von «Swiss Assistent» und trägt dazu bei, interkulturelle Konflikte nachhaltig zu erkennen und zu bewältigen.
Der Verein bietet zudem Programme für Unternehmen an – nicht nur zur Teambildung, sondern auch zur Verbesserung des Organisationsklimas, im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Volunteering. «Swiss Assistent» ist offen für Kooperationen und Partnerschaften.

Bild: Swissassistent, 2024-2026.
Perspektiven und Entwicklung
Aus der Teilnahme an den Programmen von «Swiss Assistent» entstehen neue Ziele, Perspektiven und oft auch konkrete Schritte in Richtung beruflicher und finanzieller Selbstständigkeit.
Der Verein sucht derzeit nach Sponsoren, um seine Arbeit im Bereich der beruflichen Integration weiter auszubauen. Die nachhaltige Integration von Menschen in den Arbeitsmarkt kann gleichzeitig Unternehmen stärken – eine klassische Win-Win-Situation.
Ein weiteres Ziel von Marat ist die Organisation eines Inklusionsfestivals (Inklusionstag), das verschiedene Organisationen zusammenbringt, die Workshops und Aktivitäten für und mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen anbieten. Ein solcher Anlass könnte das Bewusstsein für Inklusion stärken und Menschen aus dem gesamten Kanton zusammenführen.
Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme und/oder Unterstützung des Vereins haben, kontaktieren Sie: verein@swissassistent.ch

