Ein rassistisches Spiel sorgt für Empörung in der Schweiz

Ein neues Online-Spiel des Egerkingerkomitees aus dem Umfeld der SVP sorgt derzeit in der Schweiz für grosse Empörung. Im Zusammenhang mit der «10-Millionen-Schweiz»-Initiative müssen im Spiel Muslim:innen und Menschen mit anderer Hautfarbe aus der Schweiz «weggewiesen» werden. Zahlreiche Aktivist:innen, Organisationen und Menschen aus der Zivilgesellschaft kritisieren das Spiel scharf und sprechen von rassistischer Hetze.

Was von den Verantwortlichen möglicherweise als politische Provokation oder «Satire» dargestellt wird, hat für viele Betroffene reale Auswirkungen. Solche Inhalte fördern Vorurteile, normalisieren Diskriminierung und stellen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion als Gefahr dar. Besonders problematisch ist dabei, dass Rassismus in spielerischer Form verharmlost und öffentlich verbreitet wird.

Viele Vereine und antirassistische Initiativen haben bereits dazu aufgerufen, klar Stellung gegen diese Kampagne zu beziehen. Sie betonen, dass eine demokratische Gesellschaft nicht akzeptieren darf, dass Minderheiten öffentlich ausgegrenzt und entmenschlicht werden. Auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) wurde von verschiedenen Seiten aufgefordert, sich mit dem Fall auseinanderzusetzen.

Bild aus dem Spiel, der rassistische Vorurteile zeigt

Campax hat eine Aktion lanciert, die ein deutliches Zeichen gegen rassistische Inhalte und politische Hetze setzt und sofort handelt. Eine direkt Link erlaubt jede*r eine Mail an den Provider Netlify senden, mit dem Aufforderung, den Spiel runterzuspielen nehmen. Zahlreiche Menschen haben den Aufruf in sozialen Medien geteilt und fordern andere dazu auf, ebenfalls aktiv zu werden.

Der Hosting-Provider Netlify hat die Website mit dem Spiel innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Kampagne vom Netz genommen. Laut Campax hat sich auch die EKR viele Meldungen erhalten und hat sofort eine klare Position bezogen:

„Nach unserer Einschätzung und mit Blick auf die Rechtsprechung zu Artikel 261bis StGB (Diskriminierung und Aufruf zu Hass) handelt es sich bei den Inhalten des Spiels um potenziell strafbare Inhalte. … Unabhängig von der strafrechtlichen Beurteilung zeigt das Spiel Inhalte die als stigmatisierend gegenüber rassifizierten Personen und Musliminnen und Muslimen ist und diese in pauschalisierender Weise problematisiert. Insofern sind wir der Auffassung, dass die mit dem Spiel verbreitete Botschaft als rassistisch einzustufen ist.“ so in der Stellungnahme der EKR.

Itziar Marañón, Geschäftsleiterin von Campax, erzählt wie die Aktion zur Abschaltung des Online-Spiels geführt hat.

Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen ist es wichtig, Haltung zu zeigen und sich gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit auszusprechen. Vielfalt und Zusammenleben dürfen nicht zur Zielscheibe politischer Angstmacherei werden. Die schnelle Reaktion auf diese rassistischen Inhalte ist ein Zeichen einer solidarischen Gesellschaft, in der viel von unten wirken kann.

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Über Zahraa Alassadi

Zahraa Al-Assadi ist Redakteurin bei Lucify.ch. Sie wurde im Libanon (Baalbek) geboren, hat irakische Wurzeln und wuchs künstlerisch und intellektuell in Damaskus auf. Sie ist aktiv in kulturellen und gesellschaftlichen Bereichen: Moderation, Unterstützung kleiner Projekte, Frauenaktivismus sowie Engagement in Vereinen und Gewerkschaften. Zudem verfügt sie über umfangreiche journalistische Erfahrung und hat Interviews und Beiträge zu Kunst und Kultur veröffentlicht. Ihr Leitprinzip lautet: „Wahre Freiheit beginnt mit geistiger und materieller Unabhängigkeit.“

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