Mutige Frauen des 20. Jahrhunderts: Feministinnen in 
Ägypten, Jugoslawien und Italien

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Ägypten, Jugoslawien und Italien

“Was wollt ihr denn noch“? Diese Frage auf dem Ausstellungsplakat anlässlich des 50-jährigen Jubiläums zum Stimm- und Wahlrecht für Frauen in Zürich, beschäftigte dieses Jahr hoffentlich viele Züricher:innen. Doch wer sind die Rebell:innen und Vorkämpfer:innen, die uns den Weg für Gleichberechtigung und politische Beteiligung geebnet haben? Die Veranstaltungsreihe “Feministinnen in Ägypten, Jugoslawien und Italien“ wirft ein Schlaglicht auf einige dieser mutigen Frauen im 20. Jahrhundert.

“Ich kämpfe also bin ich“  – Frauenrechte in Ägypten

Die Referent:innen Maya Doetzkies und Olfat Wassef beleuchten die Frauenrechte im muslimisch geprägten Ägypten, in dem bis in die 1920-er Jahre der Lebens- und Einflussraum der Frauen auf Haus und Harem beschränkt blieb. Die ägyptische Revolution 1919 brachte die erste grosse Wende, denn sie war ein von Frauen geführter Protest mit dem Ziel, die Unabhängigkeit Ägyptens von Grossbritannien zu erreichen.

Das Wahlrecht für Frauen wurde in Ägypten schliesslich in den 1950-er Jahren eingeführt  – deutlich früher also als in der Schweiz! Ein Ergebnis unermüdlicher vorausgegangener Kämpfe um politische Rechte für Frauen, an denen die beiden Feministinnen Huda Sha‘rawi und Doria Shafik massgeblich beteiligt waren. Maya Doetzkies berichtet im Interview mit Lucify über den Löwenmut dieser Frauen und ihre eigene Faszination für diesen fernen Kulturkreis.

“Proletarier der Welt, wer wäscht eure Socken?“ – Frauenrechte im ehemaligen Jugoslawien

Eine ganz andere Perspektive auf die Frage nach der Gleichberechtigung der Frauen im sozialistischen Jugoslawien nach 1945 verspricht dieser Titel. In sozialistischen Ländern galten die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau als offiziell beseitigt. Laut der Verfassung der Föderalen Volksrepublik Jugoslawien von 1946 erhielten Frauen “in allen Bereichen des staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Lebens” die gleiche Stellung wie Männer. Dies war eine offizielle gesetzliche Proklamation der wirtschaftlichen Unabhängigkeit, der vollen Rechtsfähigkeit, der gleichen Rechte und Pflichten gegenüber Kindern, des gleichen Erbrechts und seit 1951 des Rechts auf legale Abtreibung.

Doch wie sah die Realität und der Alltag der Frauen in Jugoslawien tatsächlich aus? Ist eine Frau, die berufstätig ist und sich aktiv an politischen Entscheidungen beteiligt automatisch eine emanzipierte Frau? Bedeuten gleiche Rechte auch eine gerechte Behandlung seitens der Männer? Die feministische Bewegung in Jugoslawien nach 1945 kritisiert, dass die Frau im sozialistischen Staat nichts anderes war als “der Proletarier des Mannes“.  

Mit einer literarischen Perspektive geben die Referent:innen des Abends, Astrid Rana und Maya Taneva, Einblick in die Frauenrechte des real existierenden Kommunismus. Maya Doetzkies gibt im Interview einen kleinen Vorgeschmack davon, was die Besucher:innen an diesem Abend erwartet.

“Wir spucken auf Hegel“ – Frauenrechte im Italien der 70er Jahre

Einen spannenden Blick auf das südliche Nachbarland Italien präsentieren die Referent:innen Elisa Fuchs und Francesca Dagnino, die sich während eines beruflichen Aufenthalts in Mosambik kennengelernt und dort ihr gemeinsames Interesse an Feminismus und Frauenrechtsthemen entdeckt haben. Sie beleuchten die autonome Frauenbewegung im Italien der 70er Jahre anhand von Texten der italienischen Kunstkritikerin und Frauenrechtsaktivistin Carla Lonzi. Der Titel des Abends: “Wir spucken auf Hegel“ ist einem von Lonzis feministischen Manifesten entnommen, in dem sie klare politische Forderungen für Frauenrechte äussert, wie z.B. das Recht auf legale Abtreibung oder bezahlte Hausarbeit. 

Im Interview erzählt Elisa Fuchs über ihre Begegnung mit Francesca Dagnino und teilt einen kleinen Teil ihres reichen Wissensschatzes über die feministische Bewegung in Italien mit uns.

Buchhandlung Mille et deux feuilles

Die Veranstaltungsreihe findet in der Buchhandlung Mille et deux feuilles in der Glasmalergasse, im lebendigen Zürcher Kreis 4 statt. Begeisterte Reisende und begeisterte Leser:innen kommen in der gemütlichen Buchhandlung gleichermassen auf ihre Kosten. Von Belletristik über Fachliteratur bis zu Kochbüchern ist hier viel Inspirierendes, Originelles und Exotisches aus den Ländern des Mittelmeerraumes zu finden. Die Buchhandlung ist sozusagen eine lohnenswerte Reise in der eigenen Stadt, um den Alltag für einen Moment ganz umweltschonend hinter sich zu lassen.  Damit dabei die echte Begegnung nicht zu kurz kommt, finden auch regelmässig Lesungen und kleinere Veranstaltungen in der Buchhandlung statt.

milleetdeuxfeuilles.ch

Veranstaltungsreihe: Feministinnen in Ägypten, Jugoslawien und Italien

Donnerstag, 18. November 2021
„Ich kämpfe also bin ich“ – Die frühen
Feministinnen Huda Sha‘rawi und Doria Shafik
im Ägypten nach 1920 

Donnerstag, 2. Dezember 2021
“Proletarier der Welt, wer wäscht eure
Socken?“ – Frauenrechte in Jugoslawien
ab 1945

Donnerstag, 9. Dezember 2021:
“Wir spucken auf Hegel“ – Carla Lonzi und die autonome Frauenbewegung
im Italien der 1970er Jahre

Jeweils von 19 bis 21 Uhr
Buchhandlung Mille et deux Feuilles
Glasmalergasse 6, 8004 Zürich

Text und Moderation: Tina Köhler
Video: Maya Taneva

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