Wie Angelique schwarz wurde

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Die Journalistin Angelique Beldner ist die erste Person of Color, die News beim Schweizer Fernsehen moderiert. Sie hat nun zusammen mit dem Schriftsteller Martin R. Dean ein Buch über Rassismus geschrieben. DER SOMMER, IN DEM ICH SCHWARZ WURDE feiert am 14.09. im Bierhübeli in Bern und am 15.09 im Kosmos in Zürich Vernissage. Wir haben Angelique getroffen und mit ihr über ihr Buch und die Vielfalt im Journalismus gesprochen.

DAS INTERVIEW IM VIDEO KURZ ZUSAMMENGEFASST:

DAS VOLLSTÄNDIGE INTERVIEW:

Hallo Angelique, präsentierst du uns dein Buch in einem Satz?

In dem Buch DER SOMMER, IN DEM ICH SCHWARZ WURDE geht es um das Thema Rassismus: Ich tausche mich mit Martin R. Dean aus, der ebenfalls von Rassismus betroffen ist und es ist ein Gesprächsangebot an die Gesellschaft.

Für wen ist das Buch?

Ich empfehle allen es zu lesen. Ich kann mir vorstellen, dass es für alle spannend ist, die selber von Rassismus betroffen sind, weil sie viel lesen werden, das sie an ihre eigenen Geschichten erinnert. Es könnte eine Art Reflexionen sein. Aber vor allem ist es natürlich auch ein Buch für alle anderen, die von Rassismus nicht betroffen sind und sich mit einem Thema auseinandersetzen wollen, mit dem sie sich bis jetzt nicht auseinandergesetzt haben.

Was war der Auslöser, der dich bewegt hat, dich selber mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen? Dass du dazu öffentlich Position genommen hast?

Ich big überzeugt, dass es mir wie vielen anderen ging: Es war Black Lives Matter (BLM). Das hat alles nach oben gebracht. Durch BLM haben die Menschen wieder vermehrt angefangen, über das Thema Rassismus zu sprechen und irgendwann kam der Moment an dem ich gedacht habe: Ich habe viel zu sagen zu diesem Thema und habe eigentlich ein Leben lang geschwiegen, weil es ein schwieriges Thema ist. Ich bin immer wieder auf viel Unverständnis gestossen und irgendwann hatte ich die Strategie, mir selbst zu sagen: Lass es bleiben, vergiss es einfach. Und durch BLM kam sehr viel wieder hoch und ich habe den Entschluss gefasst, dass ich aufhören muss zu schweigen.

Wie hast du Martin R. Dean kennengelernt?

Martin hat mir eine sehr berührende Mail geschrieben aufgrund des Filmes, den wir beim SRF letzten Herbst gemacht haben. Wir haben uns kennengelernt und er hat mir vorgeschlagen, dass wir eine gemeinsame Veranstaltung organisieren könnten und ich habe ihm von meiner Idee berichtet, von einem Buch in das die Rückmeldungen einfliessen würden, die ich auf diesen Film erhalten habe. Er war total begeistert von dieser Idee und hat gesagt: “Komm, wir machen das doch zusammen!”

Hast du viele Rückmeldungen zum Film bekommen?

Es waren hunderte, mehrere hunderte, wahrscheinlich gegen tausend sogar. Und es brauchte ziemlich viel Zeit, die alle abzuarbeiten und auch zu verarbeiten. Es hatte alles dabei. Da waren sehr sehr rassistische dabei, sehr viele verständnisvolle, unterstützende, fragende, sowie viele Rückmeldungen von Betroffenen. Ein Teil dieser Rückmeldungen ist jetzt in diesem Buch und ich habe das Gefühl, sie sind ein Art Zeitdokument. Sie sagen sehr viel aus über das Jahr 2020 in der Schweiz. Darüber wo die Schweiz beim Thema Rassismus steht. Das findet man nun in unserem Buch.

Erzähl uns ein wenig über dich. Kann man sagen, dass du die erste dunkelhäutige Moderatorin des Schweizer Fernsehens bist?

Die erste “News-Moderatorin”, das ist ganz wichtig. Es gab andere PoC-Persönlichkeiten (People of Color) die bereit beim Fernsehen moderiert haben. Sogar beim Schweizer Fernsehen. Aber ich bin die erste – meines Wissens – die News moderiert.

Wie bist du zum SRF gekommen? Was war dein Werdegang kurz zusammengefasst?

Ich habe zwei Ausbildungen gemacht. Ich war ursprünglich Typografin, habe also im grafischen Bereich eine Ausbildung gemacht. Dann war ich an der Schauspielschule und während der Schauspielschule habe ich angefangen im Radio zu arbeiten. So bin ich im Journalismus eingestiegen und im Journalismus bin ich dann über 20 Jahre lang glücklich hängen geblieben. Also sehr lange Radio und dann irgendwann kam der Wechsel zum Fernsehen.

Hast du dort Rassismus im Journalismus erfahren?

Ich habe schon Rassismus erlebt, im Rahmen meiner Arbeit als Journalistin. Entweder draussen mit Interviewpartnern, aber auch in meinem eigenen Arbeitsumfeld.
Ich denke es wäre naiv zu glauben, dass es Orte ganz ohne Rassismus gibt, leider. Ich würde es mir wünschen, aber es ist schwierig solche Orte zu finden, die gänzlich ohne Rassismus auskommen, bisher. Ich hoffe es ändert sich.

Findest du, dass mehr Vielfalt in den Schweizer Redaktionen nötig ist?

Ich finde, es braucht viel viel viel viel mehr Vielfalt in den Schweizer Redaktionen. Wenn wir auf der Strasse gehen, sehen wir, die Vielfalt ist da. Aber sie ist leider noch nicht abgebildet in unseren Redaktionen. Da braucht es sehr viel Arbeit. Ich denke es ist der richtige Moment da etwas zu ändern.

Angelique Baldner und Martin R. Dean präsentieren ihr Buch am Dienstag 14. September im Bierhübeli im Bern und am 15 September im Kosmos im Zürich.

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Perla ist Film- und Kulturwissenschaftlerin. Ihre Leidenschaft für die Filmproduktion begann 2000 in Bologna, Italien mit einem Videokurs. Als sie ein Jahr später einen Dokumentarfilm in Indien drehte, entschied sie für sich, dass dies ihr Weg sein wird. Seitdem dokumentierte sie mit ihrer Kamera unter anderem die Häuserbesetzerszene in Paris, die Community des Radio RaBe in Bern, die Lindy-Hop-Szene in der Schweiz und die politische Partizipation von Migrantinnen in der Schweiz. Nach einer Weiterbildung in Kommunikation hat sie sich auch dem Journalismus und der Kreation von Webinhalten gewidmet.

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