Inklusion statt Integration

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Als ein*e neu ankommende MirgrantIn in einem neuen Land braucht man Unterstützung, um sich in neuem Heimat wohl zu füllen. Eine neue Sprache zu lenen, die Regeln und die Strukturen zu verstehen, bei der Bildungssystem zugang zu erreichen, bis die Wohnung zu suchen und gunstige einkaufsladen zu entdecken, sind kleine und grosse Herausforderungen. Es gibt Städtliche Unterstützung, aber das sind nicht genug. Manche MigrantInnen brauchen mehr Beglleitung. Dafür gibt es die Vereinen, die versuchen, irgendwie mit verschiedenen Programme Einheimische und MigrantInnen zusammenzubringen. Eines dieser Projekte ist Inkluso. Lucify hat ein Interview mit Vadim Drozdov Präsident des Vereins gemacht:

Lucify: Was ist Inkluso?

Vadim Drozdov: Inkluso ist ein gemeinnütziger Verein in der Schweiz. Wie der Name bereits verraten lässt, setzt sich Inkluso für die soziale Inklusion von geflüchteten und migrierten Menschen ein. Soziale Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch, ungeachtet seiner Herkunft, seines Geschlechts oder Alters ganz natürlich und selbstverständlich zur Gesellschaft dazugehört.

Der Verein für soziale Inklusion wurde im Juni 2018 gemeinsam von Geflüchteten/Migrant*innen und Schweizer*innen in Zürich gegründet. Sein Zweck ist es, kulturelle, sprachliche und mentale Gräben zwischen Geflüchteten/Migrant*innen und Einheimischen zu überbrücken und Vorurteile und Berührungsängste abzubauen. Zu den Initiant*innen gehören Geflüchtete/Migrant*innen, die aus den eigenen Erfahrungen heraus den Verein für soziale Inklusion ins Rollen gebracht haben.

Wir setzen auf niederschwellige, kostenlose Angebote, die sowohl für Menschen mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund als auch für Einheimische leicht zugänglich sind. In Bezug auf politische, religiöse und sonstige Zugehörigkeiten sind wir unparteiisch. Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen einen Ort haben, an dem sie sich zu Hause fühlen.

Vadim Drozdov Präsident des Vereins Inkluso

Lucify: Was ist Ziel und wer ist Zielgruppe von Inkuso?

Vadim Drozdov: Globalziel des Projektes ist die soziale, ökonomische, politische und rechtliche Inklusion von Migrant*innen und geflüchteten Menschen in der Schweiz. Grundlegend dabei ist der Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Geflüchteten/Migrant*innen und Einheimischen zur gegenseitigen Unterstützung in lebenspraktischen Belangen. Das Projekt trägt dazu bei, dass gegenseitiges Lernen auf Augenhöhe zwischen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund und Einheimischen gefördert und lokale Gemeinschaften, Nachbarschaften und Unternehmen gestärkt werden. Auf Ebene von Bund, Kantonen und Gemeinden strebt das Projekt ein verbessertes Verständnis des Ansatzes der sozialen Inklusion an. Nicht zuletzt leistet das Projekt einen Beitrag zur Rassismusprävention.

Primäre Zielgruppe des Projektes sind in erster Linie Menschen mit Fluchthintergrund. Ein neues Leben in einem neuen Land anzufangen, ist ein langer und oftmals schwieriger Weg. Deshalb möchten wir sie auf diesem Weg unterstützen. Wir wollen niemanden ausschliessen, weshalb auch Migrant*innen (ohne Fluchthintergrund), die sich Unterstützung bezüglich sozialer Inklusion wünschen, unsere Dienste in Anspruch nehmen können. Nicht nur registrierte Nutzer*innen können vom Projekt profitieren, da beispielsweise für eine Arbeits- oder Wohnungssuche keine Registrierung nötig ist. Andererseits gehören Einheimische, Wohnungsvermietende und Arbeitgebende zur primären Zielgruppe des Projekts.

Sekundäre Zielgruppe sind Behörden (auf Ebene Bund, Kanton und Gemeinde), auf deren Kooperation wir angewiesen sind und die ebenfalls vom Projekt profitieren können.

Schliesslich profitiert die breite Bevölkerung von inkluso.ch, da eine inklusive Gesellschaft zum Wohl aller beiträgt.

Lucify: Wer führt den Verein?

Vadim Drozdov: Der Verein ist wie auch bei anderen Vereinen durch einen Vorstand organisiert. Diesen führt Vadim Drozdov, als Präsident und Initiant des Vereins. Vizepräsidentin ist Mara Urbani. Weitere Vorstandsmitglieder sind Elena Peskova, Réka Piskóty und Eleni Helbling.

Der Vorstand zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl Schweizer*innen als auch Geflüchtete/Migrant*innen darin vertreten sind. Dies ist dem Verein sehr wichtig. Auf diese Weise können die verschiedenen Sichtweisen und Meinungen gesammelt, besprochen und authentisch vertreten werden.

Lucify: Was sind die Angebote und Aktivitäten von Inkuso?

Vadim Drozdov: Inkluso möchte die Vorteile der Digitalisierung nutzen und dies auch im Asyl- und Migrationsbereich anwenden. Deshalb ist das Herzstück des Vereins die Online-Plattform www.inkluso.ch. Inkluso.ch ist die erste schweizweite Online-Plattform, welche die Inklusion von noch wenig vernetzten Migrant*innen und geflüchteten Menschen durch die Vermittlung sozialer Kontakte fördert. Wir vernetzen Menschen, die Hilfe brauchen, mit Menschen, die helfen wollen. Inkluso.ch bietet Vermittlungsdienste betreffend die drei Grundbedürfnisse soziale Kontakte, Wohnen und Arbeiten und das alles an einem Ort.

Der Kern von inkluso.ch ist die Teil-Plattform Soziale Kontakte. Sie ermöglicht es Einheimischen, aus den registrierten Profilen von Migrant*innen und geflüchteten Menschen eine passende Person in ihrer Umgebung zu finden. Umgekehrt können auch Menschen mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund via Plattform Menschen in ihrem Wohnort kontaktieren, die bereit sind, ihnen zu helfen. Die Unterstützung kann allgemeiner Art oder auf bestimmte Belange fokussiert sein, z.B.:

●            Alltagsfragen / Umgang mit Behörden / Gesundheitswesen

●            Arbeitssuche (Praktikum, Lehrstelle, Arbeitsstelle)

●            Wohnungssuche

●            Arbeitscoaching / Bewerbungsvorbereitung

●            Lernen / Hausaufgabenhilfe

●            Sozialleben / Vereinsleben / Sport / Freizeit

●            Sprachaustausch / Sprachtandem

Die Teil-Plattform Wohnen ermöglicht es Migrant*innen und geflüchteten Menschen, Mietwohnungen und freistehende WG-Zimmer zu finden, deren Vermieter grundsätzlich bereit sind, ihre Immobilien auch an Migrant*innen und geflüchtete Menschen zu vermieten. Einheimische wiederum können über die Plattform eine Wohnung oder ein WG-Zimmer gezielt an geflüchtete Menschen vermieten.

Auf der Teil-Plattform Arbeiten können Arbeitgeber qualifizierte und ungelernte Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund rekrutieren. Sie können Stellenangebote publizieren, die auch beziehungsweise besonders für Migrant*innen und geflüchtete Menschen geeignet sind. Auf Wunsch kümmert sich der Verein um das Auswahl- und Meldeverfahren. Migrant*innen und geflüchtete Menschen wiederum können via Plattform eine zeitlich befristete oder unbefristete Teil- oder Vollzeitanstellung, einen Praktikumsplatz oder eine Lehrstelle finden und somit ihre Chancen im Arbeitsmarkt erweitern.

Lucify: Wie kann man die Angebote von inkluso benutzen?

Vadim Drozdov: Indem man sich auf inkluso.ch kostenlos registriert, erhält man direkten Zugang zu den verschiedenen Angeboten. Vor allem für die sozialen Kontakte ist eine Registrierung notwendig. So können Registrierte miteinander Kontakt aufnehmen und sich gegenseitig unterstützen. Einheimische können über die Plattform eine Wohnungs- und Jobinserate gezielt an geflüchtete Menschen kostenlos inserieren. Um beispielsweise auf Wohnungs- und Jobinserate zu antworten, benötigt es hingegen keiner Registrierung.

Lucify: Wie funktioniert die Kontaktaufnahme zwischen Migrant*innen und Einheimischen?

Vadim Drozdov: Primär erfolgt die Kontaktaufnahme über die Teil-Plattform soziale Kontakte auf der Online-Plattform inkluso.ch. Dort kann sich jede Person an jemanden durch eine Nachricht wenden und Hilfe anbieten oder diese anfragen.

Durch die sich weiter voranschreitende Digitalisierung in allen Bereichen des Lebens und auch durch Corona erweisen sich Online-Plattformen als ideale Möglichkeiten, um erste Kontakte miteinander zu knüpfen.

Lucify: Wie wird Verein finanziert? Wie kann man Verein unterstützen

Vadim Drozdov: Inkluso finanziert sich durch Spenden. Die gesamten Spenden werden dazu verwendet, um die Kosten für die Instandhaltung und Ausarbeitung der Online-Plattform zu finanzieren. Alle beteiligten Personen, die den Verein und auch die Plattform voranbringen, engagieren sich dabei ehrenamtlich.

Der Verein kann durch drei Möglichkeiten unterstützt werden:

Spenden helfen dabei, den Verein finanziell aufrechtzuerhalten und ihn auszubauen. Derzeit läuft eine Crowdfundingkampagne auf https://www.crowdify.net/de/projekt/inkluso-ch/. Mit Hilfe der gesammelten Spenden möchten wir die Plattform bekannter machen, sie verbessern und weiter ausbauen;

Je mehr Menschen sich auf inkluso.ch registrieren und dort freie Arbeitsstellen und Wohnungen inseriert werden, desto mehr Menschen kann geholfen werden;

Da wir ehrenamtlich arbeiten, sind wir froh über jede*n Freiwillige*n, der uns bei unserem Projekt unterstützen möchte.

Lucify: Vielen Dank für das Interview.

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Mahtab stammt aus Iran und hat in Teheran persische Literatur studiert. Während ihres beruflichen Werdeganges hat sie als Sendeleiterin und Produzentin bei Radio Teheran und dem iranischen Nationalradio sowie als Reporterin und Autorin bei mehreren Zeitungen gearbeitet. Ausserdem war sie mehrere Jahre an der Kunst Akademie und Kulturerbe-Organisation in der Forschung tätig. 2015 hat sie ihr Land infolge der politischen Situation verlassen und ist mit ihrem Sohn in die Schweiz geflüchtet. Hier engagiert sie sich in verschiedenen Projekten. Zurzeit führt Mahtab einen Stadtrundgang bei StattLand, ist Moderatorin der Sendung vox mundi bei Radio Rabe und seit Juli 2019 Sendeleiterin der Sendung Torfehaye Javidan.

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