Leben unter Nothilfe – Bedingungen in der Schweiz

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Ich bin eine iranische Asylbewerberin, die in Luzern in der Schweiz unter Nothilfe Bedingungen lebt. Ich kann ehrlich sagen, dass es manchmal sehr schmerzhaft und demütigend ist, unter diesen Bedingungen weiterzuleben. Ich habe jedoch keine andere Wahl, weil ich aus guten Gründen nicht in mein Land zurückkehren kann. 

Mein Fall als Flüchtling in der Schweiz wurde abgelehnt und ich habe einen negativen Bescheid erhalten. Ich habe leider nicht wirklich die Voraussetzungen um die Schweiz zu verlassen. Ich muss unweigerlich hier bleiben und ein Leben unter sehr schwierigen Bedingungen meistern. Seit 4 Jahren wohne ich unter Nothilfe-Bedingungen und nun möchte ich über diese 4 Jahre erzählen. 

Ich erinnere mich an das erste Mal, wenn ich krank geworden bin. Ich hatte seit einigen Tagen Fieber, Halsschmerzen und Husten. Ich musste vier Stunden warten. Während dieser Zeit fühlte ich mich sehr schlecht! Ich bin mit einer Packung Schmerzmittel und Pfefferminztee nach Hause geschickt worden. Seit ich unter Nothilfe-Bedingungen in der Schweiz lebe, muss ich im Krankheitsfall vom Sozialamt die schriftliche Erlaubnis erhalten, um medizinische Hilfe in Anspruch nehmen zu dürfen. Dies ist nur der Beginn. Eine Sozialarbeiter*in bestimmt, ob ich medizinische Hilfe bekomme oder nicht. Wenn ich abgewiesen werde, kann ich nichts dagegen tun. Wenn sie akzeptieren dass ich krank bin, bekomme ich die schriftliche Erlaubnis für einen Arztbesuch. Damit darf ich zu einem vom Sozialamt vorgegebenen Arzt. Dieser fragt mich zuerst nach der Krankenversicherung  Wenn ich mein Formular vom Sozialamt gebe, (daraus ersehen sie, dass ich Nothilfe erhalte) ändert sich das Verhalten mir gegenüber sofort. Ich werde zweitklassig behandelt! 

Jetzt, da wir mit Corona leben müssen, habe ich kein Anrecht auf einen Test, der jeder anderen Person bis zu fünfmal im Monat zur Verfügung steht. Es gibt einen grossen Unterschied in der Behandlung von Nothilfe Empfängern und Einheimischen. Ich wurde neugierig auf die unfaire Behandlung von mir und versuchte herauszufinden, ob Freunde, die sich in ebenfalls dieser Situation befinden, ähnliche Probleme haben. Schliesslich wurde mir klar, dass ich nicht die Einzige bin, die sich als Mensch zweiter Klasse behandelt fühlt. 

Und das ist nicht alles. Was ich bis jetzt erzählt habe, betrifft nur das Gesundheitssystem. Ich weiss nicht viel über die Gesetze und Bedingungen in der Schweiz und auch nicht über die Regeln, aber ich weiss, dass jeder Person die Nothilfe bezieht, pro Tag zwischen 8 und 10 Schweizer Franken bezahlt werden. In einigen Städten (in der Schweiz) werden nur Lebensmittel-Gutscheine abgegeben. Die Personen sollen sich ihre Kleidung über kirchliche Spenden oder an Orten holen, an denen gebrauchte Kleidung verteilt wird! 

Kann jemand mit diesem Geldbetrag in einem teuren Land wie der Schweiz leben? Viele Menschen die migrieren wurden zu diesen Bedingungen gezwungen und sehr oft bis dahin hatten sie ein gutes Leben in ihrem eigenen Land geführt. Vielleicht stellt sich die Frage, warum solche Menschen nicht arbeiten? Menschen, die unter Nothilfe stehen, dürfen nicht arbeiten! Sie dürfen ebenfalls nicht an Sprachkursen teilnehmen. 

Ich mache mir Sorgen um mich selbst. Aber manchmal mache ich mir noch mehr Sorgen um die Kinder, die in dieser Situation aufwachsen müssen! Bemerken die Kinder diesen Verhaltensunterschied? Kinder, die mit ihren Eltern in einer Notaufnahmestation in einem Raum mit ein paar anderen Menschen leben müssen. Es fehlt jede Privatsphäre. Sie können den Unterschied in der Gesellschaft und in der Schule immer wieder sehen. Sogar auf der Strasse oder, wenn sie krank werden, in der medizinischen Behandlung, und so weiter und sofort. Wie wachsen sie wirklich in solchen Gemeinschaften auf? Können sie als Menschen und Familien einen klaren und normalen Gedanken fassen? Können sie Zukunftspläne schmieden? Wie kann ein Mensch oder eine Familie in einer solchen Situation glücklich sein? Und wirklich, wenn diese Person (oder Familie) zurückkehren könnte, würde sie weiterhin freiwillig dieses harte Leben führen, das sie hier hat?

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Somi Sanayeh ist in Gilan Iran geboren. Sie hat einen Sohn und seit 2016 wohnt sie in der Schweiz. In Iran arbeitete sie als Schneiderin und jetzt als Kinderbetreuung und Köchin. Bei Lucify.ch teilt sie ihre sozial-politische Ideen und Gedanken, sowie ihre Erfahrungen, mit.

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