Nein zum Tabu der Menstruation

Vom Hashtag über globale Kampagnen bis hin zu Workshops und sogar Fernsehshows- und Filmen, wird täglich von einer grossen Anzahl Menschen eine Menge ins Leben gerufen, um mit dem Tabu der Menstruation zu brechen. Geschichten und Erfahrungen zu teilen ist ebenso hilfreich, um das Bewusstsein über diese Tabus zu schaffen. Lucify.ch spricht mit einigen starken Frauen und Teenagern über ihre Konfrontation mit Stigmas und wie sie mit Ihnen umgehen.

Auch wenn wir noch einen langen Weg vor uns haben, bevor die Menstruationstabus aus unserem System verschwunden sind, ändert sich die Einstellung dazu schnell. Es ist der neuen Generation nicht peinlich, darüber zu sprechen.

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“Sitze nicht in der Nähe von Oma, du hast deine Periode”, so wurde es einem 13-jährigen Mädchen von ihrer Mutter in der Zeit ihrer Monatsblutung erklärt. Das Mädchen fragte nicht warum. Sie hatte bereits ihre älteren Schwestern diesen Regeln über die Periode ungefragt folgen sehen. Während dieser Tage war sie angeblich unrein und es war ihr deshalb nicht gestattet, Kleider anzufassen oder ihre Grossmutter zu berühren.

So traurig das klingen mag, es ist eine ganz gewöhnliche Geschichte eines üblichen Haushalts in Indien. Einige Familien erlauben den Mädchen nicht, die Küche oder die Tempel in der Zeit ihrer Periode zu betreten. Teilweise wird ihnen sogar verboten, nach draussen zu gehen. Einigen wenigen Mädchen ist es nicht einmal gestattet, das Schlafzimmer der Eltern zu betreten.

“Ich bekam niemals irgendeine Art von Bildung über die Menstruation während ich aufwuchs. Eines Tages ging ich in das Dorf meines Onkels und bekam meine Periode. Ich wurde von den anderen isoliert und es war mir nicht gestattet, irgendetwas im Haus zu anzufassen. Es gab nicht einmal ein richtiges Bad für mich. Ich beschloss daraufhin, sie als Zeichen meines Protestes gegen diese Tabus nie wieder zu besuchen”.

Kirti Malini Gadre teilte diese Geschichte mit Lucify.ch. Kriti lebt heute in der Schweiz und stammt aus dem Bundesstaat Maharashtra in Indien.

Das Ereignis liegt etwa 20 Jahre zurück. Die Normen im Umgang mit der Periode sind auch in Indien inzwischen weniger streng. Dennoch folgen noch bis heute die Mehrzahl der Haushalte, abhängig von ihrer geographischen Lage, dem sozialen Status, der Religion und dem Bildungsniveau, einigen dieser Stigmen.

Die gute Nachricht ist, dass sich diese geistige Haltung  durch aggressive, Bewusstseins- aufrüttelnde Kampagnen, sowohl im schulischen Bildungssystem als auch innerhalb der Familien, wandelt.

Die Menschen, vor allem der jüngeren Generation, scheuen sich nicht mehr davor offen über die Periode zu sprechen. Die Tabus sind ihnen egal. Für die meisten von ihnen ist die Menstruation einfach ein körperlicher Zustand und hat nichts mit der Reinheit oder Unreinheit des weiblichen Körpers zu tun.

“Es ist absurd, denn es gibt keinerlei Wissenschaft, die diese Tabus begründet. Es sind wirklich überaltete, traditionelle Strukturen, die endlich verschwinden müssen. Es ist toll, wenn wir Bewusstsein dafür schaffen können, zum Verschwinden dieser Stigmen beizutragen”, sagt Rishi Chhapolia, eine indische Teenagern die in den USA studiert.

Angad, eine junge Studentin aus Indien teilt ähnliche Empfindungen. “Diese Stigmen sind überholt und ergeben keinen Sinn, da der Prozess der Menstruation einfach nur natürlich ist. Daran ist überhaupt nichts Schmutziges oder Merkwürdiges”.

Menstruations-Mythen und Stigmen sind in kulturellen Praktiken zum Teil tief verwurzelt und werden einfach von Generation zu Generation weitergereicht. Obwohl es ein gutes Zeichen ist, dass vor allem die jüngere Generation offen ist darüber zu sprechen und die alten Strukturen aufzubrechen, mag es vielleicht noch eine Weile dauern, bis die Periode einfach überall als etwas Natürliches und Normales betrachtet wird.

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