Migrant Solidarity Network

Das Migrant Solidarity Network organisiert jährlich die Demonstration „Asylcamps sind keine Lösung“.

Migrant Solidarity Network
Bild von Migrant-Solidarity-Network

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Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung sind Migranten*Innen.
Fast alle Migranten*Innen sind praktisch vom aktiven politischen Leben in der Schweiz abgeschnitten, die am stärksten Verletzlichen sind natürlich geflüchtete Menschen. Frauen und Männer, Singles und Familien, die vor der Unterdrückung diktatorischer Regime geflohen sind.

Ganz unerwartet verwandeln sich diese Menschen, politische Aktivisten*Innen, in eine Art amorphe, abstrakte Masse. Sie haben kein Recht zu arbeiten und müssen jahrelang auf eine Entscheidung warten. Sie sind gezwungenermassen von der guten Laune des Betreuungspersonals in den Asylcamps abhängig. Das gleiche Ursprungsland mit den Betreuern*Innen gemeinsam zu haben, ist dabei natürlich von Vorteil. Zumindest können sie sich so verständigen, da in den Asylzentren keine Dolmetscher*Innen zur Verfügung stehen.

Besonders hart betroffen sind Frauen, die mit weiteren Problemen konfrontiert sind, einfach weil sie Frauen sind oder Kinder haben. Sexuelle und sexualisierte Gewalt, die geflüchtete Frauen in ihren Heimatländern oder während der Flucht erleben mussten, wird von den Behörden nicht einmal als Asylgrund anerkannt. Geflüchtete Frauen werden im Schweizer Asylsystem benachteiligt, weil im Fokus aufgrund von Kriegen geflüchtete Männer stehen. Gewalt an Frauen, die auch in Schweizer Asylcamps vorkommt, wird ausgeblendet und den Betroffenen kein ausreichender Schutz geboten. Geflüchtete Frauen, die in Asylcamps wohnen berichten, dass sie aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, oder wegen ihres Schamgefühls vor männlichen Betreuern, nicht erklären können ob sie frauenspezifische Hilfe brauchen. Geflüchtete Frauen, die häusliche Gewalt in der Schweiz in Asylunterkünften erlebten äusserten, dass sie unzureichende Unterstützung vom Betreuungspersonal bekommen. Sie werden manchmal in den gleichen Unterkünften platziert, wo ihre gewalttätigen Ex-Männer leben und sind gezwungen, mit der grossen Anzahl der alleinstehenden Männer in Asylcamps in Nachbarschaft zu leben. Alleinstehende Mütter sind wegen ihrer Kinder benachteiligt. Sie können nicht einmal Deutschkurse (von Freiwilligen) besuchen, weil es keine offizielle Kinderbetreuung gibt.

Das Leben in Asylunterkünften ist kein Leben, sondern Überleben. Einige schwer traumatisierte Personen haben keine Kraft, diese Verhältnisse in Erwartung der Asylentscheidung zu ertragen. Dann passieren Tragödien. Wir müssen solche traurigen Informationen in den Zeitungen definitiv genau lesen:
«Un jeune homme s’est suicidé au centre pour demandeurs d’asile de Boudry. Des organisations dénoncent un manque d’accompagnement et d’accès aux soins médicaux.» (https://lecourrier.ch/2019/11/03/suicide-au-centre-de-requerants/?fbclid=IwAR3Fypy3UwEANa0ZqJ1qV_Moe1JflbXPhYpAIBc3zh-6QhTaRkqX4yGdwN0).

Was kostet menschliches Leben? Was kostet die Menschenwürde? Warum sind diese Fragen immer relevant? Wir Aktivist*Innen fühlen uns verantwortlich für das, was mit den Menschen in diesen Asylcamps passiert. Wir wollen nicht zulassen, dass solche Tragödien wiederholt werden. Ihre Stimme und Anwesenheit ist wichtig!

Bild von Demo „Asylcamps sind keine Lösung“, am 9. November in Bern. ©Migrant Solidarity Network.

*Was ist das Migrant Solidarity Network?
Im MSN sind verschiedene Gruppen von Geflüchteten und Migranten*Innen, Aktivisten*Innen und solidarische Organisationen organisiert. Das Netzwerk leistet mit verschiedenen Aktionen Widerstand gegen Ungerechtigkeit, Rassismus und Diskriminierung, die Migranten*Innen und insbesondere Geflüchtete erfahren. So trafen sich unter anderem Vertreter*Innen der Gruppe „Poya Solidaire“, des „Solinetz Bern und Zürich“, der „Ethiopian Human Rights and Democracy Task Force“, des Vereins „Demokratischer Kongress der Völker“ (HDK) und Einzelpersonen mit und ohne Fluchterfahrung. Die Aktiven kommen aus Ländern wie Eritrea, Iran, Kasachstan, Afghanistan, Äthiopien, dem Sudan und der Schweiz und arbeiteten gemeinsam an der Idee und Umsetzung der Demonstration vom 9. November.

Was macht MSN?
Das Netzwerk organisiert jährlich die Demo «Ausschaffungen sind keine Lösung». Am 8. Dezember letzten Jahres folgten ca. 5000 Personen dem Aufruf vom MSN und demonstrierten gemeinsam in Bern gegen Ausschaffungen. Konkret angeprangert wurden dabei nebst den unmenschlichen Abschiebungen unter anderem auch die Dublinverordnung, Ausschaffungsdeals oder die mangelnde Nothilfe. Die Menschen forderten dafür Gleichbehandlung für Migranten*Innen ohne Aufenthaltsbewilligung, sowie Zugang zu Arbeit, Bildung, Gesundheit und eine gleichberechtigte Teilhabe am Sozialleben für alle.
Frauenstreik: MSN-Aktivisten*Innen nahmen am 14. Juni am Frauenstreik teil. Probleme der geflüchteten Frauen, Migranten*Innen und non-binären Personen wurden im MSN-Manifest zum Frauenstreik behandelt und von MSN-Aktivisten*Innen auf verschiedenen Ebenen thematisiert.

Klimastreik: Die Gründe, warum Flüchtlinge ihre Heimat verlassen müssen, sind vielfältig. Die Folgen des Klimawandels gehören ebenso zur Fluchtursache wie Kriege oder Aktivitäten von Konzernen, die Dürre, Verschmutzung von Gewässern und vieles mehr verursachen. Die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen. Klimaflucht wird jedoch nicht als Asylgrund anerkannt. Deshalb hat sich MSN mit dem Klimastreik solidarisiert. Unsere Aktivisten*Innen haben in ihrer Rede auf dem Bundesplatz auf Probleme der Geflüchteten, Migranten*Innen und PoC während der nationalen Klimademonstration aufmerksam gemacht.

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Saule Yerkebayeva, Aktivistin vom MSN
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