Wenn Frau will steht alles still

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8. März – der internationale Frauen*tag. Auf der ganzen Welt liessen auch dieses Jahr wieder Frauen* ihre Arbeiten stehen und liegen, um auf den Strassen für ihre Rechte zu demonstrierten. In der Schweiz wurde zum landesweiten Frauen*streik am 14. Juni aufgerufen, und in Chile schrieben die Frauen* Geschichte!

Seit vielen Jahren wird der 8. März von Frauen* aus allen Teilen der Welt genutzt, um auf aktuelle Missstände und Anliegen aufmerksam zu machen. Dabei bedienen sie sich auch immer wieder kreativer künstlerischer Aktionen.

„Weibliche“ Strassennamen und Kochschürzen

In der Schweiz wurde der Weltfrauen*tag mit einer Reihe von originellen Protestaktionen eingeleitet. Um zu betonen, dass Frauen* in der Öffentlichkeit weniger sichtbar seien als Männer, wurden von der Gewerkschaft UNIA mehrere „männliche“ Strassenschilder in Zürich überklebt und „angepasst“. Aus der Erismannstrasse wurde die „Erisfraustrasse“, die Josefstrasse hiess plötzlich „Mariastrasse“. Währenddessen haben Mitglieder*innen der JUSO in mehreren schweizer Städten männlichen Statuen Kochschürzen übergezogen. Damit wollten sie auf die ungleiche Aufteilung von Haus- und Betreuungsarbeiten aufmerksam machen und für die Wertschätzung von unbezahlter Arbeit plädieren. Daneben gingen den Demonstrationen unterschiedliche Informationsveranstaltungen voran, darunter eine feministische Aktionswoche mit Theater, Filmdarbietungen, Diskussionen und Workshops, welche die Zürcher Hochschulen und die Zürcher Kantonsschulen organisierten.

Aufruf zur Internationalen  Solidarität und zum Frauen*streik am 14. Juni

Seit über 30 Jahren organisiert das Frauen*bündnis Zürich selbstbestimmt und ohne Bewilligung die Frauen*demo zum Internationalen Frauen*tag. „Frauen wir sind klasse“ konnte man auf den Schildern lesen. Die Frauen* forderten lautstark den Ausbruch aus traditionellen Rollenbildern und die Anerkennung vielfältiger Identitäten. Die Rufe „hoch die Internationale Solidarität“ und die Redebeiträge zu  internationalen Themen (beispielsweise zu Leyla Güven, einer kurdischen Politikerin im Hungerstreik) unterstrichen die Solidarisierung mit Frauen*bewegungen weltweit. Das Frauen*bündnis sprach dabei von einer „globalen feministischen Bewegung“, wobei internationale Frauen*kämpfe als Motivation und Inspiration in der Schweiz galten und gelten. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sei ein globales Problem, welches auch global bekämpft werden müsse.

Neben einer Vielzahl von Anliegen standen die diesjährigen schweizweiten Protestmärsche im Zeichen der Bekanntmachung des Frauen*streikes, welcher am 14. Juni 2019 stattfinden wird. Eine Aktion an der Frauen*demo in Zürich, bei der ein riesiges Transparent bei der Piazza Cella von einem Baugerüst heruntergelassen wurde „Frauen streiken weltweit – Heraus zum 14. Juni!“ und symbolisch dazu Einkaufswagen und Besen niedergelegt wurden, veranschaulicht dies. Unterschiedliche lokale Streikkollektive haben sich in Biel zusammengefunden, um gemeinsam ein Manifest zu verfassen, welches die Heterogenität der Frauen* und ihrer Anliegen wiederspiegeln soll. Die insgesamt 17 Punkte zu Arbeit, Gewalt, Migration, Sexualität, Bildung, Kultur, öffentlicher Raum und Politik zielen auf einen Umbau in der Gesellschaft ab und beinhalten unter anderem Forderungen wie Lohngleichheit, die gerechte Verteilung von unbezahlten Arbeit (Haus- und Sorgearbeit), körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, das Ende von Gewalt an Frauen* und der Ausbeutung durch das kapitalistisches Wirtschaftssystem. Der Frauen*streik am 14. Juni wird dabei als Startschuss für weitergehende feministische Organisierung und Vernetzung gedacht.

Historisches Ereignis in Chile

In Chile wurde am 8. März Geschichte geschrieben: mit 800‘000 Teilnehmer*innen in über 70 Städten des Landes gilt der diesjährige Frauen*tag als die grösste Mobilisierung seit dem Ende der Militärdiktatur. Dies ist unter anderem der Arbeit der Coordinadora Feminista 8 de Marzo (CF8M) zu verdanken, eine feministische Organisation, die seit vielen Jahren autonom und selbstorganisiert für die Etablierung des Feminismus als politische Perspektive in Chile kämpft. Sie hat die Protestmärsche organisiert und zusammen mit weiteren politischen Gruppierungen zum landesweiten feministischen Streik aufgerufen.

Auch in Valparaíso, der Kulturhauptstadt Chiles, war die Demonstration ein voller Erfolg. Über 30‘000 Personen aus allen Altersklassen zogen lautstark und farbenfroh durch die Stadt: „Das Patriarchat wird stürzen und der Feminismus wird siegen!“ hörte man die Protestteilnehmer*innen rufen, auf den Schildern las man „Die Zukunft ist weiblich!“ oder aber die Namen von Femizid-Opfern. In den Gesängen und Plakaten der Demonstrant*innen widerspiegeln sich die multiplen Hauptforderungen, welche von der Coordinadora Feminista 8 de Marzo in Zusammenarbeit mit weiteren feministischen Organisationen für dieses Jahr herausgearbeitet wurden: Das Ende von politischer, sexueller und ökonomischer Gewalt an Frauen*! Das Recht auf sichere Arbeitsplätze und faire, würdevolle Arbeitsbedingungen! Die Anpassung der Einwanderungsgesetze! Das Recht auf legale, sichere und kostenfreie Abtreibung! Das Recht auf kostenfreie und nichtsexistische Bildung für Alle! Das Recht auf feministischen und LTIQ+ Aktivismus!

Wiederstand mit Musik, Tanz, Zirkus und Gelächter

Der Demonstrationszug wurde von diversen künstlerischen Interventionen begleitet. Eine davon war die Comparsa 8M, eine Karnevalstruppe, welche sich in nur zwei Wochen aus Tänzerinnen und Musikerinnen aus Valparaíso gebildet hatte. Marua Pincheira, Saxophonistin, ist eine der Teilnehmerinnen. Gegenüber Lucify.ch sagte sie: „Ziel und Zweck der Gründung dieser Comparsa war es, an der Demonstration vom 8. März teilzunehmen!“. In kürzester Zeit hätten die Frauen Melodien und Tanzschritte einstudiert sowie Kostüme zusammengestellt. Einerseits interpretierte die Comparsa 8M Lieder von landesweit bekannten Musikerinnen, wie beispielsweise „Antipatriarca“ von der Sängerin AnaTijoux (im Video zu hören): „Du wirst mich nicht demütigen, du wirst mich nicht anschreien! Du wirst mich nicht unterwerfen, du wirst mich nicht schlagen! Du wirst mich nicht erniedrigen, du wirst mich zu nichts zwingen! Du wirst mich nicht zum Schweigen bringen, du wirst mir nicht den Mund verbieten!“ Die Frauen haben aber auch berühmte Liedtexte aus traditionellen Songs adaptiert und mit kritisch-feministischen Inhalten gefüllt.

In Valparaíso wurde der ganze Monat März der Frau* gewidmet. Mit einer Serie von kostenfreien kulturellen und künstlerischen Aktivitäten wurde über aktuelle feministische Debatten informiert und auf Missstände aufmerksam gemacht. Neben diversen informativen Workshops brachte die feministische Humoristin Natalia Valdebenito auf dem öffentlichen Plaza Sotomayor die Zuhörerschaft zum Lachen und zum Nachdenken, das Zirkuskollektiv „Libres, Lindas y Locas“ (Frei, Schön und Verrückt) präsentierte ihr Programm „Musas“ zu Ehren aller weiblichen Zirkusvorfahrinnen, und im Kulturzentrum „Ex Cárcel“ wurde das Tanzstück „Las Fases de la Luna Roja“ (die Phasen des roten Mondes) aufgeführt.

„Das ist erst der Anfang!“

Mit diesen Aktionen und den landesweiten Protestmärschen konnte Chile zeigen, dass die feministische Frauen*bewegung sehr stark ist und sich in den letzten Jahren zu einer Massenbewegung entwickelt hat. „Das ist erst der Anfang“, sagt Rosario Olivares, Aktivistin und Sprecherin von CF8M bei einer öffentlichen Stellungnahme. Wie die Frauen*streikgruppen der Schweiz sieht auch sie die Wichtigkeit in der zukünftigen Organisierung und internationalen Vernetzung, um mit der Verbreitung einer selbstbestimmten feministischen Politik einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel zu erreichen. „Der Feminismus kommt, um alles zu verändern!“

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