Rita Rampinelli und Weibliche Fahrerinnen

Während die internationale Motor-Show in Genf gerade in der Mitte angelangt ist, geht es hier um deutlich mehr als nur um die neueste Reflektion der Frauen im Motorsport. Weibliche Fahrerinnen sind heutzutage in der Branche des Rennfahrens tatsächlich weniger selten als viele vielleicht glauben. Das Hauptproblem dabei ist, dass selbst heute die weiblichen Rennfahrerinnen vergleichsweise nicht immer die gleiche Anerkennung bekommen wie ihre männlichen Kollegen.

Rita Rampinelli und Weibliche Fahrerinnen
Von Racedays.ch

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Beim Gang durch die Ausstellung „Grand Prix Suisse 1934-54“ im Historischen Museum Bern, kam ich am Bild einer Frau vorbei, die mich mutig in ihrer Rennfahrer Kleidung anschaute. Rita Rampinelli. Eine Schweizer Lady, Teilnehmerin am schweizerischen Bremgarten Rennfahrevent. Wer war sie und wieviel Mut hat es gekostet, diesen Schritt in den 50-er Jahren zu wagen?

Durch die gesamte Geschichte des Motorsports hindurch gab es immer wieder Frauen, die den Mut hatten diese vermutliche Macho-Welt zu erobern, im Kreis Benzin und auf dem Podium Champagnerduft riechend. Fast ist es überflüssig zu sagen, dass die weiblichen Pioniere, die diesen Weg für die nachfolgenden Frauen geebnet haben, es nicht leicht hatten. Sie verdienen unseren Respekt und vor allem mehr Aufmerksamkeit. Rita Rampinelli, eine Schweizer Rennfahrerin, ist eine dieser Frauen.

Diese Frau aus Schaffhausen wurde die „Rennsport-Amazone“ der 50-er Jahre, die bis dahin geltende Konventionen des Autorennsports durchbrach. Wie fühlt es sich an, eine Pionierin in einer reinen Männerindustrie zu sein? In der Nachkriegszeit gehörten Frauen laut öffentlicher Meinung in die Küche und nicht in den Motorsport. Rita Rampinelli hatte den Mut, diesen Stereotyp zu überschreiten. Diese Aufgabe war eine Unbequeme: Wie konnte sie sich unabhängig von ihrem Vater, Emilio Rampinelli, der ebenfalls ein berühmter Rennfahrer war, einen Namen machen? Wie beweisen, dass Frauen ebenso in den Motorsport gehören und dort bestehen können? Und das Schwierigste: Wie mit den Männern auf der Rennstrecke konkurrieren ohne dabei verhöhnt zu werden? Um dies in den 50-er Jahren durchzusetzen brauchte es viel Ausdauer und Motivation – und diese hatte Rita Rampinelli.

Sie war nicht allein eine brilliante Rennfahrerin, sondern auch eine ausgesprochene Geschäftsfrau, Besitzerin einer Autowerkstatt, Eisstockschiesserin und Tennisspielerin. Mit ihren geliebten „Cristalina“ und „Porsche“ wurde sie zu einer der Besten unter den Schweizer Rennfahrern. Rampinelli kam auf Platz 6 im berühmten Grand Prix von Bremgarten, was ein bemerkenswerter Erfolg für eine Frau ist, die ausschliesslich mit Männern konkurrieren muss (es gab damals keine weibliche Kategorie in diesem Sektor).

Diese Dame hat niemals der Idee Beachtung geschenkt, dass es irgendetwas geben könnte, was eine Frau nicht tun kann. In diesem Sinne hat Ritas Familie sie auch nie mit den üblichen Geschlechterkonditionierungen eingeschränkt, sondern sie stets darin unterstützt ihre Träume zu leben. Natürlich war auch das in den 50-er Jahren eine unbequeme Aufgabe, besonders in Hinblick auf die damals geläufige öffentliche Meinung. Ein diskriminierender Diskurs über die Fähigkeit von Frauen, bei einem Autorennen mit als Protagonisten aufzutreten, war eine übliche Position zu dieser Zeit: Ist eine Frau anatomisch, mental und emotional tauglich für ein Autorennen?

Erst jetzt, wo wir mehr und mehr weibliche Namen in diesem Sektor zu hören bekommen, wird klar festgehalten, dass die hauptsächlich erwarteten Qualitäten im Motorsport Mut, Engagement und eine ausgesprochen starke Motivation sind. Sowohl Männer als auch Frauen haben sie gleichermassen. Und Beide, sowohl Männer als auch Frauen müssen gleichermassen hart arbeiten, um in Wettbewerben zum Erfolg zu gelangen.

Viele von uns würden sicherlich sagen, dass die Autorennindustrie auch heute noch männlich dominiert ist: von den Zuschauern, den Technikern, den Ingenieuren und auch von den Rennfahrern selbst. Frauen sind in diesen Positionen stark unterrepräsentiert. Demografisch betrachtet sind weibliche Rennfahrerinnen noch immer die Minderheit. Es ist ein weiter Weg, bis unsere Gesellschaft Frauen im Autorennsport voll und ganz akzeptiert, auch wenn es immer mehr Verständnis dafür gibt, dass das Geschlecht hierfür völlig irrelevant ist. Glücklicherweise werden immer mehr Schritte in Richtung dieser Akzeptanz übernommen.

Während der Genfer Motor Show im Jahr 2018 lancierte die FIA Kommission für Frauen im Rennsport die „Girls on Track“ Initiative mit der Absicht, junge Frauen zu ermutigen am Autorennsport teilzunehmen. Diese Aktion ist ein klarer Versuch, eine neue Motorsport- und Lifestyle Kultur aufzubauen, wo die Werte von weiblicher Partizipation nicht nur ernst genommen, sondern einfach zur geltenden Norm werden.

Letztendlich ist im Autorennsport der Schlüsselfaktor nicht die geschlechterspezifische, sondern die individuelle Leistung. Das Beispiel von Rita Rampinelli und ihren Nachfolgerinnen zeigt uns Frauen deutlich, dass es möglich ist mit den etablierten sozialen Stereotypen zu brechen.

Mut, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft können Berge versetzen! Es gibt nichts, das Frauen nicht tun können!

Das erste als solches registrierte weibliche Rennen fand 1897 in Frankreich statt, als eine Gruppe Pariser Frauen auf motorisierten Dreirädern durch einen Pferderennparkour fuhr. 

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Im Vergleich zu den 50-er Jahren, als Rita Rampinelli die Strasse für sich eroberte, gibt es heute deutlich mehr Frauen im Schweizer Autorennsport. Nachfolgend sind einige von ihnen aufgelistet, die unsere Aufmerksamkeit verdienen: Cyndie Allemann, Reena Jani, Luana Krattinger, Tina Mattmüller, Arlette Mueller, Chayenne Mosko, Chantal Kroll, Edith Kovats, Sabine Amweg, Stephanie Le Coultre, Martina Angerer, Angelica Berliner, Adrian Gugger, Nathalie Golaz, Simona di Silvestro, Natacha Gachnang, Marie Guarino, Sabrina Hungerbuehler, Lis Buser, Sonja Heiniger, Petra Beyer, Marie-Claude Firmenich, Lilian Bryner, Bettina Buess, Rahel Frey, Chantal Galli, Martina Garovi, Magalie Caspard, Fabienne Krauser, Cornelia Kappeler, Ellen Gafner, Petra Kamm, Tanja Bumer, Nathalie Chassot, Micky Martinelli, Maude Crepin, Jacqueline Linder

Die Ausstellung „Grand Prix Suisse 1934-54“ kann noch bis zum 22. April 2019 besichtigt werden. Die Ausstellung fokussiert sich nicht allein auf die technischen Aspekte der Motorsport Industrie, sondern stellt das Bremgarten Autorennevent in einen grösseren Kontext. Die Geneva International Motor Show findet bis zum 17.März in Genf, Palexpo, statt.

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Anna has Russian roots and big interest in themes: identity, hybridity, music, and raising children in multicultural context. She graduated University of Bern (world literature, Cultural Studies) and Lomonosov Moscow State University (Philology). At the moment she works on her personal blog “Traveling Swiss Cat” ( www.facebook.com/travellingswisscat and https://www.instagram.com/travellingswisscat/ ) where she familiarizes parents of multicultural kids with meaningful events and places to be visited with children in Bern and surroundings. Anna is convinced that our children can teach us a lot. They are not born with stereotypes but they risk to acquire them later under external circumstances. Our task as parents is to help them grow as conscious and culture-aware humans.

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