Feministische Stimmen – Claim the Waves!

Feministische Stimmen – Claim the Waves!

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[:de]Vier Tage Umtauschen, Lernen und Aktivismus. Diese Wörter sprechen die Feministischen Radiotage Festival “Claim the Waves” aus.

Vom 19. bis 22. Juli waren Mädchen und Frauen*Trans*Inter* und Genderqueers*  die Protagonistinnen. Mehr als 100 Personen konnten an einem vielfältigen Programm bei den inhaltlichen Diskussionen mit technischen Workshops teilnehmen.

Claim the Waves war eine Möglichkeit, um zusammen zu lernen, sich auszutauschen, gemeinsame Perspektiven und Strategien zu entwickeln und feministische Wellen zu senden. Und natürlich wurden 100 Stunden On Air Programm mit einer Vielfalt von feministischen Radioproduktionen am Radio ausgestrahlt.

Lucify.ch war auch dabei. Karmen Ramírez Boscán führte den Workshop „Crossmediale Produktion und Dokumentation der Radiotage” und Maya Taneva nahm an der On Air Diskussion „Claim the Media – Feministische Öffentlichkeit schaffen“ teil.

Im Claim the Waves sind wir farbenfroh„. Irene Rodriguez, eine Aktivistin und Sendungsmacherin bei Radio LoRa, erzählt uns über ihre Erfahrung mit Claim the Waves.

 

 

Hinterher ist ein Interview mit der Claim the Waves Orga Gruppe, verantwortlich für die Koordination des Festivals.

Lucify.ch – Warum organisierte Radio LoRa ein feministisches Radio Festival?

Claim the Waves Orga – 2018 wird sowohl das Radio LoRa als auch die LoRa Frauen*Redaktion die Hälfte des Äthers 35 Jahre alt. Wir haben schon lange von einem Treffen geträumt, einem feministischen Radio-Festival. Dieses Jahr ist es so weit: unser Traum wird Wirklichkeit! 1998, also vor genau 20 Jahren, fand im LoRa die letzte Europäische FrauenRadioKonferenz statt. Unter dem Titel Mujeres creando espacios de comunicación – Frauen schaffen Freiräume der Kommunikation haben damals über 70 Frauen verschiedener Nationalitäten (Europa und Lateinamerika) an der Konferenz teilgenommen – mit dem Ziel, das internationale Netzwerk von Journalistinnen nichtkommerzieller Radios weiterzuentwickeln. Es ist spannend, den Konferenzbericht von damals zu lesen. Viele Frauen kamen, um starke Netzwerke unter Frauen zu schaffen. Damals wie heute sind uns Vernetzung und Internationalismus ein wichtiges Anliegen, um feministische Perspektiven zu entwickeln und eine feministische Öffentlichkeit zu schaffen.

Lucify.ch – Was war der Wunsch von Radio LoRa mit Claim the Waves?

Claim the Waves Orga – Wir wünschten uns 4 Tage, an denen Radiomacherinnen* von verschiedenen freien Radios zusammenkommen, voneinander lernen, sich kennenlernen, sich gegenseitig stärken. Wir wollten gemeinsam verschiedene Fragen und Strategien weiterentwickeln: Was heisst es, feministisch(es) Radio zu machen? Wie machen wir das gemeinsam? Wie können wir der Malestream-Berichterstattung eine alternative Perspektive entgegensetzen? Darüber wollten wir gemeinsam diskutieren – aber unsere Ideen und Ergebnisse auch ganz praktisch umsetzen. Daher gab es eine Reihe von praktisch ausgelegten Workshops, in denen die Radiomacherinnen* ihre journalistischen und praktischen Skills erweitern konnten.

Lucify.ch – Was bedeutet es für Radio LoRa, eine sehr starke feministische Richtlinie zu haben?

Claim the Waves Orga – In unserem Radioalltag bedeutet es, kohärent zu der Hausphilosophie zu sein: nicht rassistisch, nicht sexistisch… Und als Radiojournalistin* wie als Kollektiv ein Bewusstsein dafür zu haben, über was und wie berichtet wird. Die Haus- und Sendeordnung, die diese Hausphilosophie festlegt, ist immer wieder Anlass für Diskussionen, bei denen anhand konkreter Fälle darüber diskutiert wird, was Sexismus (und Rassismus) heisst, und wie wir als Kollektiv mit sexistischer Sprache, Inhalten oder Verhalten umgehen. Um zu garantieren, dass die Perspektive von Frauen* nicht übergangen werden kann, gibt es eine autonome Frauen*struktur: am Montag entscheidet die Hälfte des Äthers über die Sendeplätze, On Air gibt es nur Frauen* und Trans*stimmen zu hören, ab 17 Uhr ist das Haus ausschliesslich für Frauen*, Trans* und Genderqueers* geöffnet. Diese feministische Raumpolitik prägt das LoRa seit den Anfangsjahren, und wird auch immer wieder neu verhandelt. Waren im LoRa jahrelang Frauen das wichtigste Subjekt der feministischen Praxis, erweitert sich dieser Begriff aktuell um andere nicht-binäre Identitäten wie Trans*, Inter* und Genderqueers. Frauen sollen aber in allen Bereichen des Radios vertreten sein, deswegen hat Radio LoRa schon sehr früh eine Frauenquote eingeführt in allen Gremien des Betriebes: Frauen* und Migrant_innen müssen je zur Hälfte vertreten sein.

Das Radio lebt eine feministische Praxis im Alltag. Das heisst mehr, als eine Frauenquote einzuführen. Eine feministische Praxis versucht, ein kollektives Bewusstsein inner- und ausserhalb des Radios zu schaffen, hegemoniale Strukturen innerhalb eines Kollektivs zu hinterfragen, Entscheidungen auf einer horizontalen Ebene zu treffen und mit Weitblick auf eine gerechte Gesellschaft zu handeln.

Die feministische Praxis im Radio LoRa geht aber über Organisationsformen, Entscheidungsprozesse und Reflexionen der eigenen Strukturen der Radiokollektive hinaus. Feministische Forderungen und Auseinandersetzungen finden sowohl in der Praxis des Radioschaffens statt, werden aber auch nach aussen getragen, um inner- und ausserhalb ein feministisches Bewusstsein zu schaffen und zu stärken. Feministisches Radio kann ein Mittel sein, in bestehende Verhältnisse einzugreifen, hegemonialen Perspektiven alternative Narrative entgegenzusetzen, eigene Inhalte zu bestimmen und die Schwerpunkte der Berichterstattung zu setzen.

Lucify.ch – Wie sieht Radio LoRa die Mitwirkung von Migrantinnen in den Medien in der Schweiz?

Claim the Waves Orga – Die Präsenz von Migrantinnen in den hegemonischen Medien und ihre Teilnahme an deren Produktion sind begrenzt. Im Radio LoRa hingegen haben sich Migrantinnen einen Raum geschaffen, wo in verschiedenen Sprachen, mit und von verschiedenen Erfahrungen berichtet wird und eine internationalistische Perspektive mit- und einbringen können. Das ist möglich, weil Radio LoRa einen niedrigschwelligen Zugang hat – eine journalistische Ausbildung ist nicht nötig, die Radiomachenden lernen in Kursen und Weiterbildungen die notwendigen Kompetenzen. Ausserdem können sie in ihrer eigenen Sprache oder mehrsprachig berichten. Dieser Raum ist wichtig, damit unterdrückte/diskriminierte Personen von sich selbst berichten, aktiv handelnde Subjekte der Berichterstattung sind  –  anstatt aus einer europäisch privilegierten, paternalistischen Perspektive über und für sie gesprochen wird.[:]

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Fabiana ist Sozialunternehmerin und Kommunikatorin. In Brasilien hat sie junge Menschen zur politischen Partizipation animiert und darüber geforscht und geschrieben. Später in der Schweiz hat sie sich für Menschenrechte in Südamerika und Afrika engagiert, ein Handbuch über das Leben in der Schweiz für Portugiesisch sprechende Ausländer (ISBN 978-85-67902-01-2) herausgegeben und das Taoca-Kollektiv mitgegründet. Sie ist auch als Vorstandsmitglied bei Radio Lora und als Radioproduzentin bei PAUSA CAFFE tätig.

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