Der Frieden darf uns nicht das Leben kosten

Wir sind vor dem Palais des Nations in Genf, in der Schweiz, mit einer Gruppe Kolumbianer_innen. Wir sind hier, um das Blutbad anzuprangern, das in Kolumbien an Führungspersonen sozialer Bewegungen verübt wird.

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[:de]Am 17. Juni fanden in Kolumbien Präsidentschaftswahlen statt. Die extreme Rechte kam an die Macht. Seither sind Morde an gesellschaftlichen Führungspersonen in die Höhe geschossen.

Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens wurden 311 Führungspersonen sozialer Bewegungen ermordet. Das heisst, es ist ein hartes Pflaster für Menschenrechtsaktivist_innen sowie für Menschen, die gegen die komplizierte Lage in Kolumbien ankämpfen. 

Ein Jahr und acht Monate nach dem Friedensabkommen beobachten wir systematische Morde. Die Opfer der Guerrilla, die Opfer des Staates, wir alle brauchen die Wahrheit. Der Staat war an vielen Verbrechen beteiligt. Völkermord ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und in Kolumbien fand ein Völkermord statt. Wir sind sehr besorgt, weil der zum Präsidenten gewählte Duque aussagte, er wolle mit dem Friedensabkommen brechen, die Friedensgespräche in Havanna nicht fortführen. Wenn sich eine Demokratie erlauben kann, nicht nur Führungspersonen sozialer Bewegungen zu töten, sondern auch politische Akteure, sollten wir uns fragen, ob wir von Demokratie oder von Schreckensherrschaft sprechen. Ich glaube, der allgemeine Wunsch, auch derjenigen, die rechts wählten, ist, dass der Frieden in Kolumbien umgesetzt werden muss. 

Nach den Wahlen hat der mehrheitlich aus rechten Parteien zusammengesetzte Kongress der Sonderrechtsprechung für den Frieden (JEP) Steine in den Weg gelegt. (SI QUIERES UNA FRASE MÁS CORTA: Nach den Wahlen hat der mehrheitlich aus rechten Parteien zusammengesetzte Kongress debe Sonderrechtsprechung für den Frieden (JEP) behindert.)

Im Moment erlebt Kolumbien eine humanitäre Tragödie. Bis Juni 2018 wurden 311 Führungspersonen sozialer Bewegungen ermordet. Im Juli wurden 12 weitere getötet. Paramilitäre Gruppen sind in Kolumbien weiterhin aktiv und die kürzlich gewählte, rechte Regierung hat sich in keiner Weise stark und entschlossen geäussert, um dieses Blutbad aufzuhalten. Es ist notwendig, die materiellen und intellektuellen Täter dieses Völkermordes aufzuhalten. Wir bitten das Schweizer Volk und dessen Regierung um Hilfe, damit diese erneute humanitäre Tragödie ein Ende hat.
Aída Avella, kolumbianische Senatorin

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Karmen ist eine Langzeit-Aktivistin für Menschenrechte, insbesondere für die Rechte der Indigenen und der indigenen Frauen in Südamerika. Sie ist Fürsprecherin der Rechte der indigenen Völker und war Fachberaterin unter anderem in Kanada (WHRI) und Genf (UNITAR und ONU). 2005 hat sie in Kolumbien die Institution Fuerza de Mujeres Wayuu gegründet und seitdem verschiedene Entwicklungsprojekte realisiert. Seit 2007 ist sie für das Indigenous Portal als Editorin tätig und hat mehrere Artikel über die Wayu-Frauen geschrieben. Sie hat 2015 den erfolgreichen Kanal Wayuunaiki para el Mundo für die Vermittlung der einheimischen Sprache der Wayu-Leute gegründet.

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